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Ältere Pressemitteilungen



An Frau Bundesministerin Ursula von der Leyen, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 11018 Berlin
An Frau Bundesministerin Ulla Schmidt, Bundesministerium für Gesundheit, 11055 Berlin

30.04.2009
Offener Brief bezüglich der Finanzierung von Kinderwunschbehandlungen und ihrer gesetzlichen Neuregelung

Sehr geehrte Frau Bundesministerin von der Leyen,
sehr geehrte Frau Bundesministerin Schmidt,

in der aktuellen Diskussion zur Finanzierung von Kinderwunschbehandlungen (Maßnahmen der medizinisch assistierten Reproduktion) und eines Fortpflanzungsmedizingesetzes in Deutschland, die sich z. B. im Vorstoß des Freistaates Sachsen, in der Gründung der „Stiftung Kinderwunsch“, in der Postkartenaktion der „Aktion Kinderwunsch“ und im Forschungsgutachten „Reproduktionsmedizin im internationalen Vergleich“ der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigen, bezieht auch der Vorstand des „Beratungsnetzwerkes Kinderwunsch Deutschland (BKiD) e.V.“ als Fachverband der psychosozialen Beratung bei Fertilitätsstörungen hiermit öffentlich Stellung.
Der BKiD-Vorstand begrüßt die aktuelle Diskussion, da die Situation ungewollt Kinderloser in der Regel sowohl in der Alltagspolitik als auch in der allgemeinen Öffentlichkeit leider keine Beachtung erfährt. Insbesondere die psychosozialen Aspekte von Fruchtbarkeitsstörungen werden in ihrer Bedeutsamkeit für die Betroffenen immer noch häufig unterschätzt. Wir befürchten allerdings, dass sich die aktuelle Diskussion nur auf den Bereich der Finanzierung von Kinderwunschbehandlungen einzuengen droht. Aus der fachlichen Expertise von BKiD ist es deshalb unabdingbar, auch folgende Punkte im aktuellen Diskussionsprozess zu berücksichtigen:
Die hier aufgeführten Punkte sind als Produkte oft jahrelanger Diskussionsprozesse auf Tagungen des Beratungsnetzwerkes Kinderwunsch Deutschland sowie im BKiD-Vorstand entstanden, sie sind wissenschaftlich – auch auf internationaler Basis – abgesichert. Aus Sicht des BKiD-Vorstandes würde den Betroffenen mit unerfülltem Kinderwunsch eine optimal mögliche und zeitgemäße Betreuung und Behandlung in Deutschland verwehrt werden, wenn die Forderungen nicht in einem neuen Finanzierungsmodell und einer neuen gesetzlichen Regelung umgesetzt werden könnten.

Sehr geehrte Frau Bundesministerin von der Leyen, sehr geehrte Frau Bundesministerin Schmidt, wir vom Vorstand von BKiD würden uns freuen, in die politischen Überlegungen zu Neuordnung der Finanzierung von Kinderwunschbehandlungen und ihrer gesetzlichen Neuregelung miteinbezogen zu werden. Für Rückfragen stehen wir Ihnen selbstverständlich jederzeit gerne zur Verfügung.

gez. (für den Vorstand von BKiD e.V.):

Dr. Petra Thorn                                                  Dr. Tewes Wischmann
1. Vorstandsvorsitzende BKiD e.V.                           2. Vorstandsvorsitzender BKiD e.V.

(Kontakt: Dr. Thorn  T.: 06105-22629, Dr. Wischmann T.: 06221-568137)


Mehr Geld für Kinderwunschpaare: Ja – und für den richtigen Zweck.

Aktuell werden verstärkt neue Modelle zur Finanzierung der Kinderwunschbehandlung diskutiert. Ein Beispiel bietet dafür die Veranstaltung „Interdisziplinäre Perspektiven zur Finanzierung von Kinderwunschbehandlungen“ am 24. März 2009 an der Ruhr-Universität Bochum.

Das Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland e.V. (BKiD) fordert zusätzliche finanzielle Unterstützung für ungewollt kinderlose Paare.

Zum Angebot einer qualifizierten Kinderwunschtherapie gehören neben einer kompetenten medizinischen Behandlung eine umfassende und unabhängige psychosoziale Beratung und Begleitung.

Der bislang kaum gedeckte Bedarf nach psychosozialer Beratung muss unbedingt in der Diskussion der zusätzlichen Finanzierung berücksichtigt werden. International ist das „infertility counselling“ schon lange ein selbstverständlicher Bestandteil der Kinderwunschtherapie. Für Deutschland wurden von BKiD Richtlinien für qualifizierte psychosoziale Beratung und für eine Kooperation mit den behandelnden Ärzten entwickelt (s. www.bkid.de).

Finanzierungsmodelle zur Kinderwunschbehandlung müssen psychosoziale Beratung von Anfang an beinhalten. Psychosoziale Beratung wäre dann für alle Paare niederschwellig zugänglich und die Qualität der Kinderwunschtherapie würde im Interesse aller Beteiligten optimiert werden.

Frankfurt/Main, den 21. März 2009

Für den Vorstand von BKiD e.V.: Karin Werdehausen (Essen)


Reproduktionsmedizin im internationalen Vergleich

Eine Stellungnahme des Beratungsnetzwerkes Kinderwunsch (BKiD)

Auf der Tagung des Beratungsnetzwerkes Kinderwunsch Deutschland (BKiD) am 26./27.09.2009 in Frankfurt beschäftigte sich der Verband mit dem Gutachten „Reproduktionsmedizin im internationalen Vergleich“, das am 9.9.2008 auf einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin vorgestellt wurde.

BKiD begrüßt die Initiative der Autoren und der Autorin, die Mehrlingsrate nach reproduktionsmedizinischer Behandlung deutlich zu senken, allerdings fehlt in dem Gutachten die Einbeziehung der besonderen Bedeutung psychosozialer Beratung.

BKiD hat sich in den letzten Jahren wiederholt mit den gesundheitlichen und psychosozialen Folgen der Mehrlingsschwangerschaften für Mutter, Kinder und die zukünftige Familie auseinandergesetzt. Daher unterstützen die Berater und Beraterinnen Bestrebungen, mit einer Zulassung des elektiven Single Embryo Transfers (eSET) in Deutschland als einer zusätzlichen Möglichkeit, die Mehrlingsrate deutlich zu reduzieren und die Entscheidungen zum Fetozid überflüssig zu machen. Dabei muss sehr ernst genommen werden, dass die Methode, die die Auswahl des optimal entwickelten Embryos, die Kryokonservierung und ein Verwerfen früher Embryonen beinhaltet, nur durch das Ziel gerechtfertigt werden kann, erhebliche Belastungen für die Kinder und das Paar abzuwenden. Da in der Bevölkerung sehr unterschiedliche Einstellungen zur Wertigkeit des frühen Embryos bestehen, kann die Entscheidung zum eSET nur eine individuelle Entscheidung der zukünftigen Eltern auf dem Hintergrund bestmöglicher Aufgeklärtheit sein. Wir fordern daher, dass vor eSET (wie vor jeder reproduktionsmedizinischen Maßnahme) der Patientin und ihrem Partner zusätzlich zur ärztlichen Information und Aufklärung eine unabhängige Beratung verbindlich angeboten wird, die psychosoziale und ethische Aspekte einschließt. Dieses Angebot muss auch während und nach der Behandlung gewährleistet sein.

Weiterhin unterstützt BKiD die Forderung der Installierung einer regulierenden Bundesbehörde für Fortpflanzungsmedizin. Darin sollten (z. B. nach dem Vorbild der englischen HFEA) Fachorganisationen für psychosoziale Beratung, Bioethiker und Patientenorganisationen mit eingebunden sein.

Für ein neues, modernes Fortpflanzungsmedizingesetz fordert BKiD unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Veränderungen die Gleichstellung von verheirateten und in fester Partnerschaft lebenden Paaren. Dies betrifft die üblichen Verfahren wie IVF und ICSI, als auch die Möglichkeit der Behandlung mit Spendersamen per Insemination und IVF.

BKiD unterstützt die Forderungen des Gutachtens, Rechtssicherheit bezüglich der Samenspende zu schaffen und eine zentrale Dokumentationsstelle mit Meldepflicht einzuführen. Dabei ist das Grundrecht jedes Menschen auf Kenntnis seiner Abstammung, die wirtschaftliche Absicherung des zukünftigen Kindes, das psychosoziale Wohl der zukünftigen Familie und die Rechtssicherheit des Samenspenders zu berücksichtigen. Die besondere Bedeutung der psychosozialen Beratung vor und nach Gametenspende muss dabei berücksichtigt werden. Daher ist ein qualifiziertes psychosoziales Beratungsangebot für die Wunscheltern, den Samenspender und das so gezeugte Kind gemäß den Leitlinien von BKiD unbedingt anzubieten.

Frankfurt/Main, den 27. September 2008

Für den Vorstand von BKiD e.V.: Dorothee Kleinschmidt (Bochum)

Meilensteine der psychosozialen Kinderwunschberatung

BKiD-Handbuch erschienen – Leitlinien verabschiedet

Auf dem Weg zu einer professionellen und hochqualitativen psychosozialen Beratung bei unerfülltem Kinderwunsch wurden bei der Frühjahrstagung des Beratungsnetzwerkes Kinderwunsch Deutschland (BKiD) am 29.02 und 01.03.2008 in Frankfurt/Main zwei wichtige Meilensteine gesetzt:

Auf der Tagung wurde das Handbuch "Kinderwunsch und professionelle Beratung" vorgestellt, welches dieser Tage im Kohlhammer-Verlag erscheint. Das Buch wurde herausgegeben von Dorothee Kleinschmidt (Bochum), Dr. Petra Thorn (Mörfelden) sowie Dr. Tewes Wischmann (Heidelberg) und enthält eine Sammlung von Fachartikeln, die von BKiD Berater/innen verfasst wurden. Das BKiD-Handbuch veranschaulicht kompetent, gut verständlich und aktuell einen Großteil des gesamten Spektrums der Behandlungs- und Bewältigungsmöglichkeiten von ungewollter Kinderlosigkeit. Es enthält Erfahrungsberichte, Fallbeispiele, Beschreibungen unterschiedlicher Konzepte sowie wissenschaftliche Grundlagendarstellungen und bietet damit eine Übersicht über aktuelle psychosoziale Ansätze in der Kinderwunschberatung. Zielgruppe dieses Buches sind neben Professionellen in dem Bereich (wie Gynäkologen, Psychotherapeuten, Adoptionsfachkräfte) auch betroffene Paare, die sich mit den psychosozialen Aspekten von Fruchtbarkeitsstörungen eingehender auseinandersetzen möchten.

Auf der gleichen Tagung wurden die Leitlinien für die psychosoziale Beratung bei Gametenspende von BKiD verabschiedet, welche federführend von Dr. Petra Thorn (Mörfelden) erarbeitet worden waren. Neben den bereits seit 2005 bestehenden BKiD-Richtlinien zur psychosozialen Beratung bei unerfülltem Kinderwunsch (im BKiD-Handbuch abgedruckt) liegen europaweit erstmals differenzierte handlungsleitende Ansätze zur Beratung vor einer Spendersamenbehandlung vor. Aufgrund der besonderen Fragestellungen, die eine Behandlung mit gespendeten Gameten Dritter nach sich zieht, bedarf die psychosoziale Beratung für Paare und Einzelpersonen, die dies beabsichtigen, besonderer Leitlinien. So sollen in dieser Beratung vor allem die für die Familie langfristigen Implikationen thematisiert werden, wie beispielsweise die Frage der Aufklärung des Kindes und der Umgang mit dieser Form der Familienbildung in der Familie und im sozialen Umfeld. BKiD wird dieses Jahr weitere Beraterinnen und Berater schulen, die in der psychosozialen Beratung vor Spendersamenbehandlung speziell qualifiziert sind.

Mit dem vorgelegten BKiD-Handbuch, den verabschiedeten Leitlinien bei Gametenspende sowie den bereits bestehenden Richtlinien zur Kinderwunschberatung werden durch BKiD Qualitätsstandards in der psychosozialen Beratung bei unerfülltem Kinderwunsch gesetzt, welche international führendes Niveau erreichen. Nähere Informationen zu BKiD im Internet unter www.bkid.de.

Frankfurt/Main, den 1. März 2008

Für den Vorstand von BKiD e.V.: Dr. Tewes Wischmann (Heidelberg)

Kinderlos – auch hartes Los

Wo bleiben bei der Diskussion um den Geburtenrückgang die ca. 1,5 Millionen ungewollt kinderlosen Paare?

Pressemitteilung vom 25.03.2006

Diese Frage wurde auf der 12. Tagung des Beratungsnetzwerkes Kinderwunsch Deutschland (BKiD e.V.) in Frankfurt am Main von den professionellen Beratern und Beraterinnen behandelt.

BKiD ruft zu mehr Differenzierung in der öffentlichen Diskussion auf. Ungewollt kinderlose Paare erleben die Kinderlosigkeit als existenzielle Krise, die mit Ohnmachtserleben, sozialer Isolation, Selbstzweifeln bis hin zu Depressionen einhergehen kann. Auch im Zeitalter reproduktionsmedizinischer Möglichkeiten bleibt für die Mehrheit der Paare der Kinderwunsch unerfüllt. Die momentane Debatte droht zu einer weiteren Stigmatisierung und Ausgrenzung dieser Personengruppe zu führen.

BKiD bietet Betroffenen psychosoziale Beratung sowie der Öffentlichkeit Fachinformationen zum Themenkomplex Kinderwunsch. Nähere Informationen unter www.bkid.de. Dort findet sich eine Übersicht der örtlichen Angebote und Ansprechpartnerinnen und Partner.


BKID veröffentlicht Richtlinien zur psychosozialen Beratung bei unerfülltem Kinderwunsch

Pressemitteilung vom 15.12.2005

Der unerfüllte Kinderwunsch stellt für viele betroffene Paare (und insbesondere für die Frauen) eine erhebliche emotionale Belastung dar. Begibt sich das Paar in eine reproduktionsmedizinsche Behandlung, erhöht sich in der Regel diese Belastung. Um einen qualitativ hochstehenden und verbindlichen Standard in der psychosozialen Beratung dieser Paare zu gewährleisten, hat das Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland (BKiD) Anfang Dezember 2005 seine Richtlinien zur psychosozialen Beratung bei unerfülltem Kinderwunsch (PB-Richtlinien) veröffentlicht. BKiD ist ein multiprofessioneller Zusammenschluss qualifizierter Beraterinnen und Berater und bietet betroffenen Frauen und Männern Hilfe bei der Vermittlung zu psychosozialer Beratung bei Kinderwunsch. Weiterhin stellt BKiD psychosozialen und medizinischen Fachkräften sowie anderen Interessierten Fachinformationen zur Verfügung. Die PB-Richtlinien von BKiD finden sich im Internet unter www.bkid.de/richtlinien.pdf. Für Rückfragen stehen PD Dr. Tewes WIschmann (T.: 06221-568137) und Dr. Petra Thorn (T.: 06105-22629) vom Vorstand von BKiD e.V. zur Verfügung.


Wenn das Risiko Realität wird

Pressemitteilung vom 28.09.2005

Das Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland (BKiD e.V.) beschäftigt sich auf seiner 11. Tagung im September 2005 in Frankfurt am Main mit der Problematik von Mehrlingsschwangerschaften und der Wichtigkeit frühzeitiger Einbindung von psychosozialer Beratung in die medizinische Behandlung ungewollter Kinderlosigkeit.

Das Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland setzt sich zusammen aus zertifizierten psychosozialen Beratern und Beraterinnen, die in besonderer Spezialisierung Paare mit unerfülltem Kinderwunsch begleiten.

Die Feststellung einer höhergradigen Schwangerschaft nach reproduktionsmedizinischer Behandlung stellt für Eltern, Ärzte und Ärztinnen, Berater und Beraterinnen eine enorme Herausforderung dar. Obwohl im Rahmen der vorgeschriebenen Aufklärung das statistische Risiko benannt wird, trifft das Ergebnis die meisten Paare vollkommen unvorbereitet. Neben den medizinischen Risiken wie Fehlgeburt, Frühgeburtlichkeit und das Risiko von Behinderungen bei den geborenen Kindern werden die psychischen Belastungen oft deutlich unterschätzt, so Petra Thorn, 2. Vorsitzende von BKiD, Sozialarbeiterin und Familientherapeutin aus Mörfelden: Chronische Erschöpfung und Überforderung, eine höhere Trennungsrate betroffener Eltern und die Neigung zu Depressionen u. a. der Mütter, machen eine intensive Begleitung von Beginn an notwendig.

Einen Ausweg scheint hierfür der selektive Fetozid zu bieten, die sogenannte „Reduzierung“ der Schwangerschaft. Dieser wirft jedoch neue Fragen auf. Welcher Fetus wird „reduziert“? Wie können Paare einen „selektiven Schwangerschaftsabbruch“ verarbeiten, obwohl sie sich so sehr Kinder wünschen? Mit diesen Fragen dürfen Paare nicht allein gelassen werden und sollen daher verstärkt auf die Möglichkeit einer fundierten Beratung aufmerksam gemacht werden.

Kritik übt BKiD an der derzeitigen Praxis der Beratung vor, während und nach der Durchführung von reproduktionsmedizinischen Verfahren. In den Richtlinien der Bundesärztekammer wird gefordert, dass dem Paar eine kompetente Beratung über dessen mögliche psychische Belastung und die für das Wohl des Kindes bedeutsamen Voraussetzungen zuteil wird. Fakt ist, dass der größte Teil der Paare über die angewandten Methoden, über körperliche Risiken, Erfolgsaussichten etc. im Rahmen der medizinischen Aufklärungspflicht beraten wird. Psychosoziale Aspekte der Behandlung werden allerdings oft nur am Rande erwähnt. BKiD fordert die zwingende Einbindung der psychosozialen Beratung durch dafür qualifizierte Fachkräfte in den gesamten Behandlungsverlauf. Hierfür entwickelt BKiD aktuell Richtlinien zur psychosozialen Beratung bei assistierter Reproduktion, die Ende des Jahres vorgestellt werden.

Über die positiven Auswirkungen der Integration psychosozialer Beratung in den gesamten Behandlungsverlauf berichtete auf der Tagung Karin Werdehausen, psychologische Beraterin an einem reproduktionsmedizinischen Zentrum in Essen. Das niederschwellige und kostenneutrale Angebot ermöglicht es vielen Paaren, rechtzeitig Unterstützung und Begleitung in Anspruch zu nehmen. Wirksame Bewältigungsstrategien für psychologisch und sozial problematische Situationen können hierbei erarbeitet und somit das Wohl der so gezeugten Kinder und der gesamten Familie bedacht werden.


Paare mit unerfülltem Kinderwunsch und das Gesundheitsmodernisierungsgesetz

Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland berichtet über erste Auswirkungen

Pressemitteilung vom 29.03.2004

Drei Monate nachdem die Gesundheitsreform am 01.01.2004 in Kraft getreten ist, traf sich das Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland (BKiD e.V.), um erste Erfahrungen mit der Gesetzesänderung auszutauschen. Das Beratungsnetzwerk setzt sich zusammen aus psychosozialen Beratern und Beraterinnen, die in besonderer Spezialisierung Paare mit unerfülltem Kinderwunsch begleiten. Das Gesundheitsreformgesetz wirkt sich nachhaltig auf die Situation betroffener Paare aus, so Dr. Tewes Wischmann, Psychologe an der Psychosomatischen Universitätsklinik Heidelberg und Vorstandsvorsitzender von BKiD. So müssen gesetzlich krankenversicherte Kinderwunschpaare seit Jahresbeginn 50% der Behandlungs- und Medikamentenkosten selbst bezahlen. Die Zahl der bezuschussten Versuche wurde von vier auf drei Behandlungszyklen reduziert. Leistungsberechtigt sind Frauen zwischen 25 und 40 Jahren, Männer zwischen 25 und 50 Jahren. 

In Anbetracht der anstehenden Kürzungen nutzten viele Paare das letzte Quartal 2003 zu einer „letzten Chance“, d. h. zu einer durch die Krankenversicherung finanzierten reproduktionsmedizinischen Behandlung. Im selben Zeitraum gingen die Anfragen nach einer psychologischen Beratung oder einer Adoptionsberatung spürbar zurück. Seit 01.01.2004 hat die Zahl der Inanspruchnahme von psychosozialer Beratung spürbar zugenommen. Auch Adoptionsstellen verzeichnen eine steigende Nachfrage, während reproduktionsmedizinische Zentren über einen Rückgang bis zu 40% berichten. Außerdem lässt sich nach Angaben von Petra Thorn vom BKiD-Vorstand eine Zunahme der Fremdsamenbehandlungen beobachten, nachdem die teure intracytoplasmatische Spermieninjektion, die vor allem bei der männlichen Fruchtbarkeitsstörung eingesetzt wird, nur noch teilweise kassenfinanziert wird.

Vertreter und Vertreterinnen von BKiD sehen zum einen Ungerechtigkeiten vor allem für finanzschwache Paare, die die teuren Zuzahlungen nicht bezahlen können. Paare, die aufgrund einer Diagnose, die eine Schwangerschaft auf „normalem“ Wege unmöglich macht, wie z. B. ein beidseitiger kompletter Eileiterverschluss, sind genauso betroffen wie Paare, bei denen leichtere Fruchtbarkeitsstörungen vorliegen. Für einige Paare jedoch könnten die neuen Gesetze neue Möglichkeiten eröffnen. So werden in Zukunft Paare wahrscheinlich bewusster die einzelnen Behandlungsschritte wählen. Behandlungspausen könnten verstärkt genutzt werden, um sich von den anstrengenden Behandlungszyklen zu erholen. So bieten Ruhepausen die Chance, sich verstärkt auf sich selbst zu besinnen, dem Körper durch eine gesundheitsbewusste Lebensführung eine Erholung zu gönnen, Fragen im Zusammenhang mit der Partnerbeziehung zu klären oder entsprechende ganzheitliche Behandlungsansätze stärker zu nutzen. Letztere legen mehr Wert auf das Bewusstwerden der eigenen Körperfunktionen und die Berücksichtigung von Stressfaktoren und umweltmedizinischen Einflüssen, wie Michaela Röder-Bassenge von BKiD bei der Tagung ausführte. Wie sich die Inanspruchnahme reproduktionsmedizinischer Therapien über die nächsten Monate weiter entwickeln wird, soll auf der nächsten Tagung von BKiD am 17. und 18. September 2004 diskutiert werden.


Unerfüllter Kinderwunsch

Beratungsnetzwerk Kinderwunsch (BKiD) gründet Verein

Pressemitteilung vom 04.02.2003

In Deutschland sind ca. 1,5 Millionen Paare ungewollt kinderlos. Während die Fortschritte der Fortpflanzungsmedizin große Beachtung in der Öffentlichkeit finden, war über die psychosozialen Aspekte des unerfüllten Kinderwunsches bisher nur wenig bekannt. Dabei erleben viele Paare ungewollte Kinderlosigkeit als eine tiefgehende emotionale Krise, deren Bewältigung häufig großer Anstrengung bedarf. Die wissenschaftliche Forschung hat inzwischen nachgewiesen, dass ungewollt kinderlose Paare sich hinsichtlich psychologischer Merkmale kaum von anderen Paaren mit Kinderwunsch unterscheiden. Doch sie befinden sich in einer besonderen Situation. Besonders die Diagnose der Fruchtbarkeitsstörung kann das Selbstwertgefühl der Betroffenen beeinträchtigen. Viele nehmen große Anstrengungen auf sich, um eine Familie zu gründen. Sie müssen Entscheidungen treffen, wie weit sie in der medizinischen Behandlung gehen.

Inzwischen suchen immer mehr Paare mit unerfülltem Kinderwunsch Hilfe in einer psychosozialen Beratung. Um diesen Betroffenen Unterstützung zu bieten, wurde im Juli 2000 das Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland e.V. (BKiD) gegründet. BKiD ist ein multiprofessioneller Zusammenschluss qualifizierter Beraterinnen und Berater in Deutschland, die über Erfahrungen in der psychosozialen Beratung bei Kinderwunsch und ungewollter Kinderlosigkeit verfügen. Eine qualifizierte Beratung basiert nach dem Selbstverständnis von BKiD auf der Grundlage neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse sowohl in Bezug auf die Psychologie des unerfüllten Kinderwunsches als auch auf die aktuellen Möglichkeiten und Grenzen der Medizin, Alternativmedizin und anderer therapeutischer Verfahren. Weitere Arbeitsbereiche des Netzwerkes sind die gesundheitliche Prävention zur Verhinderung von Fruchtbarkeitsstörungen und die Diskussion gesellschaftlicher Ursachen und Auswirkungen.

Seit Juni 2000 fanden halbjährliche Treffen statt, in denen Materialien für Öffentlichkeitsarbeit, Qualitätskriterien der psychosozialen Beratung des unerfüllten Kinderwunsches und Weiterbildungsrichtlinien diskutiert und weiterentwickelt wurden. Seit Bestehen arbeitet die Gruppe am Aufbau eines bundesweiten Netzes, damit Ratsuchende wohnortnah eine qualifizierte Anlaufstelle finden können. Die Liste der Berater und Beraterinnen umfasst inzwischen über 80 Anlaufstellen in ganz Deutschland und wurde im Internet über www.bkid.de seit November 2001 mehr als 26.000mal angeklickt. Seit Dezember 2002 ist BKiD eingetragener, gemeinnütziger Verein. In den Vorstand gewählt wurden Dr. Tewes Wischmann/Heidelberg, Vorstandsvorsitzender, Petra Thorn/Mörfelden, stellvertretende Vorstandsvorsitzende, Dr. Detlev Gagel/Berlin, Kassenwart, Dorothee Kleinschmidt/Münster und Regina Broszeit/Darmstadt, 1. und 2. Beisitzerinnen.

Ungewollte Kinderlosigkeit wird in Deutschland aller Voraussicht nach ansteigen. Der psychosozialen Beratung bei unerfülltem Kinderwunsch und damit der Arbeit von BKiD wird somit eine weiter wachsende Bedeutung zukommen.


18.05.2010
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